Der Nachhaltigkeitsbericht ist keine Massenware aus einem fertigen Analyse-Tool.
Anbieter wie SDI oder EcoVadis versprechen neben der CO2-Bilanz auch ein Rating und eine Benchmark für die Branche. Das ist durchaus hilfreich, aber das Ergebnis ist nicht der fertige Nachhaltigkeitsbericht für dein Unternehmen. Aber genau das ist eine häufige Annahme im Gespräch mit Geschäftsleitungen von Klein- und Mittelbetrieben.
Viele glauben, die CO2-Bilanz liefert alle Kennzahlen, die für einen Nachhaltigkeitsbericht nach ESG-Kriterien benötigt werden. Die Antwort ist aber nein. Der Report aus der Datenerhebung für den CCF (Corporate Carbon Footprint) liefert eine oder mehrere wichtige Kennzahlen, aber zeigt nicht, was für das individuelle Unternehmen wichtig „wesentlich“ ist. Was den Zahlen aus dem CO2 Report fehlt, sind die individuellen Parameter und die individuellen Kennzahlen, die den Kern des Unternehmens und des individuellen Geschäftsmodells ausmachen. Dazu braucht es unbedingt eine Wesentlichkeitsanalyse. Sie ist das Herzstück der Nachhaltigkeitsberichterstattung – auch wenn oft nur über CO2 Reports gesprochen wird.
Die Wesentlichkeitsanalyse nach ESRS verfolgt einen strategischen Ansatz, bei dem Unternehmen relevante Nachhaltigkeitsthemen identifizieren, bewerten und priorisieren! Dabei werden sowohl die eigenen Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft betrachtet (Inside-Out) als auch die Einflüsse von außen betrachtet (Outside-In) – also welche möglichen Risiken (Wirtschaftskrisen, Pandemien, Kriege, Klimakatastrophen, politische Veränderungen) sich auf die Geschäftstätigkeit des Unternehmens auswirken könnten!
Beispiel: Wesentlichkeitsanalyse in der Hotellerie
Entlang der ESRS Guideline legt dann jedes Unternehmen seine berichtenswerten Inhalte und Kennzahlen nach „Wesentlichkeit“ fest. Betrachten wir z. B. die Hotellerie, dann kann das von Sportangeboten, sauberen Seen, Natur und Schneesicherheit bis hin zu Kunst und Design, Architektur, Technik und lokale Stadtentwicklung vieles Verschiedenes sein, das unbedingt Beachtung im Nachhaltigkeitsbericht finden muss.
Ergänzt werden die eigenen Kennzahlen aus der Wesentlichkeitsanalyse dann mit branchenüblichen Kennzahlen wie z. B. in der Hotellerie:
- CO2 Emissionen pro Übernachtung
- Energieverbrauch je Übernachtung
- Abfallmenge pro Gast (Foodwaste, Glas, PET etc.)
- Wasserverbrauch pro Übernachtung
- Schulung und Weiterbildung pro Mitarbeiter:in und vieles mehr …
Die richtige Vorgangsweise ist daher:
- CO2 Reporting durchführen und die Zahlen, Daten und Fakten aufbereiten
- Wesentlichkeitsanalyse durchführen
- Bericht analysieren, Kennzahlen ausarbeiten und Vergleiche darstellen
- Nachhaltigkeitsbericht erstellen und veröffentlichen
Der erste Nachhaltigkeitsbericht ist ein Investment für die Zukunft. Es ist aber die Basis, die dann jährlich angepasst und adaptiert werden kann!